Autor: Janina Bartel
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Dienstag, den 31. Januar 2012 um 16:16 Uhr
Byzantinisches Gold aus der Uckermark zu sehen ab 01.02.2012 im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg
Acht goldene Münzen – jede etwa 4,4 g schwer – versetzen Brandenburgs Archäologen und Numismatiker derzeit in wahre Begeisterung
Fundstücke Foto: Detlef SommerDie so genannten Solidi aus der Völkerwanderungszeit – dem 6. Jh. – fanden sich im November 2011 verstreut in den Tiefen eines Ackers bei Biesenbrow in der Uckermark. Der Fund ist das spektakuläre Resultat eines Forschungsprojektes, das sich geradezu detektivisch auf die Suche nach einem seit dem 19. Jh. durch die Fachwelt geisternden byzantinischen Goldschatz begeben hatte. Zwischen 1840 und 1885 waren immer wieder einzelne Solidi aufgetaucht und – bis vier auf vom Berliner Münzkabinett und vom Märkischen Museum angekaufte Exemplare – wieder verschwunden. Nach Ermittlungen eines Schulmeisters noch im 19. Jh. soll-ten es Stücke eines mindestens 200 Münzen umfassenden, „bei der Hintermühle" nahe Biesenbrow versteckten Schatzes gewesen sein. Erst das engagierte Zusammentragen aller Details aus Akten und Karten, zuletzt der Einsatz von Metallsonden, führten schließlich zu den Münzen.
Sie stammen ursprünglich aus Konstantinopel und Rom, teilweise sind es auch Prägungen der germanischen Könige aus dem 5. und 6. Jh. Die Münzen zeigen auf der Vorderseite die Herrscher mit Namen und Titel, auf der Rückseite eine Viktoria-Figur mit Kreuz, einen Triumphspruch und die Münzstätte. Das Gold muss um das Jahr 540 in nahezu menschenleerer Wildnis in den Boden gelangt sein. Bisher gibt es nämlich keinerlei Funde, die auf eine Besiedlung dieser Gegend zu jener Zeit hindeuten würden: Die Germanen waren bereits nach Süden und Westen abgewandert, die Slawen noch nicht angekommen.
Die Münze mit der Darstellung des Franken- und Merowingerkönigs Theudebert (533–548) eröffnet einen interessanten Blick auf den geschichtlichen Hintergrund des Verbergens am abgelegenen Ort. Im späten 5. Jh. hatte sich in Thüringen eine bedeutende germanische Herrschaft gebildet, deren Macht und Einfluss weit in den heutigen nordostdeutschen Raum reichten. Die Thüringer gerieten jedoch zunehmend in Konkurrenz mit dem Frankenreich der Merowinger, die in jener Zeit von Gallien aus nach West- und Mitteleuropa expandierten. 531 verloren die Thüringer die entscheidende Schlacht an der Unstrut. Ihr König, Herminafried, floh. 534 ließ er sich durch Versprechungen ins Frankenreich locken. Im Gespräch mit Theudebert, der uns auf der Münze begegnet, stürzte man ihn in Zülpich im Rheinland hinterrücks von den Burgmauern in den Tod. Thüringen wurde zur fränkischen Provinz, politische Unruhen und militärische Konflikte hielten aber noch Jahrzehnte an. In diesen Wirren, so kann man vermuten, dürfte der Schatz vergraben worden sein.
Felix Biermann, Petra Woidt Forschungsprojekt des Instituts für Vor- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen (Institut für Vor- und Frühgeschichte) unter Leitung von PD Dr. Felix Biermann in Kooperation mit dem BLDAM, Prof. Dr. Franz Schopper; Numismatik: Prof. Dr. Bernd Kluge (Münzkabinett SMPK, Berlin); Mitarbeit: Oliver Beyer, Grit und Mike Fenner, Manfred Guthke, Torsten Sambale (Berlin).
Eintritt 5,-€/P., ermäßigt 3,50 €/P., Gruppentarif 3,-€ /P., Kinder unter 10 Jahren frei