Autor: Marco Petig
|
Montag, den 30. August 2010 um 16:46 Uhr
Jacob Schrot aus Washington D. C. im Gespräch
Jacob Schrot, der ZDF-Nachwuchskanzler aus Brandenburg an der Havel, arbeitet für rund 2 Monate im ZDF-Studio Washington. Marco Petig sprach mit ihm über Eindrücke, Erfahrungen und seinen Blick auf Deutschland
Was ist Dein Eindruck von der Arbeit im ZDF-Studio Washington?
Journalistische Arbeit beim ZDF macht einfach unheimlich Spaß. Hier in Washington sind wir für die Berichterstattung über ganz Nordamerika zuständig. Über mangelnde Arbeit können wir uns also nicht beklagen. Von Alabama bis Texas, von New York bis Kalifornien – wir müssen immer auf dem neuesten Stand sein! Nachrichten zu erschließen, zu verarbeiten und dann Beiträge zu produzieren ist eine spannende Angelegenheit, vor allem wenn man weiß, dass man wegen der Zeitverschiebung ziemlich unter Zeitdruck steht. Da ist manchmal auch Nervenkitzel dabei, wenn man nur noch ein paar Minuten hat, bis der Beitrag in Deutschland auf Sendung gehen muss.
Was waren bisher die spannendsten Erlebnisse?
Schwer zu sagen, man steht eigentlich ständig unter Spannung. Eine Pressekonferenz mit Thad Allen, dem Beauftragten der Regierung zur Säuberung der Öl-Küste, war sicher sehr spannend. Aber auch Begegnungen mit Lobbyisten und Senatoren waren einprägsam. Man lernt in der Welt der Journalisten sehr viel dazu.
An welchen Themen arbeitest Du grade?
Derzeit produzieren wir eine große Dokumentation über die Ölpest im Golf von Mexiko und die Verstrickung von Politik und Öl-Lobby, durch die es überhaupt so weit kommen konnte. Ansonsten arbeite ich an tagespolitischen Geschehnissen – vom Kampftruppenabzug der USA aus dem Irak bis zum kommenden Nahost-Gipfel in Washington D. C. Ich habe viel Recherchearbeit, interview auch des Öfteren und blicke anderen bei der Arbeit über die Schulter.

Fotos: Jacob Schrot
Hat der Kanzler Obama schon getroffen?
(Lacht). Nein, Mr. President ist ja auch zurzeit auf Urlaubsreise mit seiner Familie im schönen Marthas Vineyard. Man trifft viele bedeutende Personen, aber der Präsident war noch nicht dabei.
Was lernst Du für deine politische Arbeit in Deutschland?
Vieles. Zuallererst: Der Geist der Mitbestimmung ist hier deutlich ausgeprägter als bei uns in Deutschland. Es ist völlig selbstverständlich, dass man sich politisch einbringt, sich im Bus mit fremden Menschen über Obama unterhält oder dass man die aktuellen Gesetzesvorlagen diskutiert – in aller Öffentlichkeit!
In Deutschland fragen wir bei neuen Gesetzesvorhaben zunächst: Was hat das für Risiken? In den USA fragt man zuerst: Was hat das für Chancen? Der Wahlkampf, der derzeit in Washington D. C. stattfindet, ist auch bedeutend volksnaher als der in Deutschland. Abgeordnete lassen sich stundenlang in Diskussionrunden verwickeln, stehen seit Monaten auf der Straße und geben Antworten auf Fragen der Zukunft. Diese Nähe wünsche ich mir auch in Deutschland! Und natürlich ganz besonders auch in Brandenburg an der Havel!