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    Autor: Marco Petig
  | Dienstag, den 31. August 2010 um 19:55 Uhr

Politik Aktuell

Radweg durch Brandenburg: An der Bauchschmerzenbrücke ist Schluss

Stadt plant Radwanderweg vom Bahnhof zum Marienberg – nur nicht zwischen Alfred-Messel-Platz und Heinrich-Heine-Ufer

tmb__MG_6637_0114Die Radfahrer haben es in der Innenstadt von Brandenburg an der Havel nicht einfach: Sie haben zu einem Teil mit der sehr schlechten Beschaffenheit der verschiedenen Fahrbahnbelegen – wie zum Beispiel in der Hauptstraße oder Steinstraße – anzukämpfen. Nicht dieses auch reichen sollte, müssen einige Brandenburger Radfahrer, darunter auch Eltern mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer, mühevoll über die im Volksmund benannten „Bauchschmerzenbrücke“ (Gottfried-Krüger-Brücke) überwinden.

Mit Kopfschütteln können Dr. Andreas Phillipp und Hans-Jürgen Nimmrich die Umsetzung der gerade sanierten Gottfried-Krüger-Brücke „nicht nachvollziehen“. „Wie sollen allein die Rollstuhlfahrer die Brücke überwinden können ohne fremde Hilfe? Ich habe erst vor Kurzem einen Rollstuhlfahrer geholfen, von seitens des Alfred-Messel-Platzes über die Brücke zukommen, weil er sich zuvor am Ufer der Havel geirrt hatte und zur Anlegestelle am Heinrich-Heine-Ufer unbedingt sein Dampfer erreichen wollte“, fügt der passunierte Brandenburger Radfahrer Dr. Phillipp hinzu.

Dieses Problem ist anscheinend bis zur Stadtverwaltung durchgedrungen. Man überlege, eine Lösung für dieses Unterfangen realisieren zu können. Eine der Varianten sei, dass eine sogenannte Schiene über Brücke führen soll, sodass es einfacher ist, das Fahrrad über diese zuschieben. Nun kommt den Radfahrer die Frage auf: „Was ist mit dem Rollstuhlfahrer?“

Erst auf der Regionalkonferenz „Alle inklusive in Brandenburg“ am Montag, stellte Brandenburgs Stadtchefin, Dr. Dietlind Tiemann (CDU) fest, dass es in der Stadt Brandenburg an der Havel hinsichtlich der Umsetzung der „Erklärung von Barcelona“ schon große Fortschritte gegeben hat. Sie erklärte: „Ich glaube, in Brandenburg an der Havel sind wir gerade in den letzten Jahren ein gutes Stück vorangekommen. Erst vor Kurzem habe ich als Gast an der Gesamtbeiratssitzung unseres Behindertenbeirates teilgenommen, wo wir gemeinsam das bisher in unserer Stadt Erreichte analysiert haben und uns auch auf die Handlungsfelder für die Zukunft verständigt haben. Mit dem Beirat habe ich mich darauf geeinigt, gemeinsam mit der Behindertenbeauftragten ein Papier zu entwerfen, in dem Grundgedanken zu den Handlungsfeldern: Barrierefreiheit Bauen/Mobilität, Soziales, Jugend und Sport sowie Bildung und Weiterbildung formuliert werden“. Nun wo ist nur die behindertengerechte Umsetzung seitens der Verwaltung bei der erst restaurierten Gottfried-Krüger-Brücke geblieben? Wenn alles, wie Tiemann erst verwies, „alles mögliche für die Barrierefreiheit und Mobilität getan wird“, warum ist es vor der Gottfried-Krüger-Brücke für einige Bürger und Besucher der Havelstadt Schluss?

Gut die Verwaltung ist nicht ganz untätig: Mit einer Berichtsvorlage (Radwegeverbindung vom Hauptbahnhof zum Marienberg) zur letzten Stadtverordnetenversammlung wurde auf die Notwendigkeit der neuen Rad- und Fußgängerbrücke über den Stadtkanal am Paulikloster betont. Unter anderem heißt es in der Begründung: „Mit dem Beschluss Nr. 486 / 2009 wurde der Bau der Rad- und Gehwegbrücke über den Stadtkanal (höhe des Pauli-Klosters) durch die Stadtverordneten bestätigt unter der Vorgabe einen durchgängigen Radweg vom Bahnhof bis zum Marienberg zu schaffen“. Die Brücke über den Stadtkanal soll, nach dem Willen der Stadt, für Radfahrer „eine kurze, attraktive und sichere Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und der Innenstadt, insbesondere der Neustadt“, darstellen.

tmb_227_2010_vor_brueckenbauDie derzeitigen möglichen Routen führen über die Große Gartenstraße, die Promenade am Mühlengraben und das Salzhofufer oder über die Geschwister-Scholl-Straße, die Sankt-Annen-Straße, die Hauptstraße zum Humboldthain und von dort zum Südaufgang des Marienberges. Die dabei genutzten Straßen weisen ein „hohes Verkehrsaufkommen auf“, wie es aus dem letzten Beschlussantrag hervor geht. Die Hauptstraße steht, wie die Steinstraße, wegen ihrer Befahrbarkeit für Radfahrer stark in der Kritik.

Mit der Fertigstellung der Brücke über den Stadtkanal im Frühjahr 2011 ist folgende Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem Marienberg denkbar: Am Hauptbahnhof wird mit der Errichtung des Gesundheitszentrums / Re - Generationenhauses eine Fuß- und Radwegeverbindung hin zur Kleinen Gartenstraße geplant und umgesetzt. Somit ist die Neustadt „attraktiv und fußläufig an den Hauptbahnhof angeschlossen“ und auch das regionale und überregionale Radwegeangebot der Stadt Brandenburg an der Havel sowie des Umlandes „kann entsprechend genutzt werden“.

tmb_227_2010_nach_brueckenbauEine Alternative zu dieser innerstädtischen Route wäre von der Rad- und Gehwegbrücke über den Stadtkanal ausgehend, der ausgebaute Jungfernsteig, durch den Theaterpark bis zur Jahrtausendbrücke und ab hier wieder durch die Parkanlage Humboldthain. „Für diese Route muss jedoch die Grabenstraße entsprechend saniert werden“, wird in der Berichtsvorlage hingewiesen. „Da wir uns auch hier im Innenstadtbereich befinden, gibt es immer wieder kurze Abschnitte, die für den Radfahrer nicht optimal zu befahren sind, z. B. über Brücken (hier Brücke am Steintorturm), die im Innenstadtbereich nur einen Fußweg haben und der Radfahrer somit gezwungen ist abzusteigen. Auch in den Parkanlagen ist die gemeinsame Führung von Fußgängern und Radfahrern mit Einschränkungen verbunden“, betont die Verwaltung.

Für den Abschnitt zwischen Steintorturm und Luckenberger Brücke soll die Befahrbarkeit durch die geplante Straßenbaumaßnahme An der Stadtschleuse verbessert werden. Ziel ist laut der Vorlage, „das sichere, zügige, entspannte und durchgängig mögliche Radfahren“. Dies soll unter anderem mit den „beschriebenen Maßnahmen, die in der Stadt Brandenburg an der Havel durchgeführt werden, erreicht werden“- auch an der schon genannten Gottfried-Krüger-Brücke?

 

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...   |01-09-2010 15:37:35
Denkmalschutz oder Barrierefreiheit - in den Turm der Katharinenkirche kommt auch kein Rollstuhlfahrer - sollte man deshalb einen Fahrstuhl installieren?

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