Autor: Walter Kriegs
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Montag, den 06. September 2010 um 13:11 Uhr
Leserbrief zu „Nutzlose Grünfläche für 316.000 Euro“
Dank Benno Rougk (MärkischenAllgemeineZeitung) wurde am Beispiel der Freilichtbühne einmal mehr nachgewiesen, dass es nur Deppen in unserer Stadt gibt - Also alle in einen Sack und drauf
Zuerst ist natürlich die SPD mit ihrem ehemaligen Oberbürgermeister Helmut Schliesing schuld, weil sie den Bestandsschutz für die Freilichtbühne nicht erhalten haben. Gab ja auch nichts Wichtigeres nach der Wende. Dass 1990 kein Mensch ein von der FDJ organisiertes Bühnenprogramm sehen wollte und die schon damals marode Freilichtbühne im Wettbewerb mit anderen Veranstaltungsstätten nicht bestehen konnte, darf man ja in einem Artikel unter den Tisch fallen lassen. Aber selbst wenn der ganze SPD Unterbezirk in Ermangelung anderer Veranstaltungen mit seinen 200 Mitglieder über 13 Jahre Woche für Woche Blechtrommel schlagend durch den Orchestergraben gehüpft wäre, hätte der Bestandsschutz der Freilichtbühne nicht geholfen. Wer kann sich denn wirklich vorstellen, dass eine Stadt Beschwerden wegen Störung der Totenruhe oder Beeinträchtigung im Klinikbetrieb mit Bestandsschutzargumenten begegnen könnte? Benno Rougk hätte in seinen Wochenkommentaren höchstpersönlich jeden am Nasenring durch die Stadt gezogen, der so etwas auch nur in Erwägung zieht.
So wurde ich 2003 Stadtverordneter für die CDU und fand die Freilichtbühne als Trümmerhaufen vor. Einige Fraktionsmitglieder machten sich für eine Sanierung stark. Andere waren skeptisch. Für die CDU-Fraktion war aber klar, dass der Zustand so nicht bleiben konnte. Weiter 13 Jahre wollten wir nicht warten. Es wurden zwei Alternativen diskutiert, zwischen denen es zu entscheiden galt. In der ersten Alternative hätte die Freilichtbühne abgerissen werden müssen, da die Verkehrssicherheit nicht gegeben war, ein Nutzungskonzept nicht vorlag und die Einschränkungen durch Friedhof und Klinikum zu groß waren. Wegen der Bezüge zum Gartendenkmal Marienberg und der schwierigen Hanglage wurden die Kosten für eine einfache Grünanlage mit gestalterischer Anlehnung an den Charakter der Freilichtbühne damals auf 150.000 Euro geschätzt. Förderfähig wäre diese Alternative nach unserer damaligen Einschätzung nicht, sodass der gesamte Betrag aus Eigenmitteln der Stadt aufzubringen gewesen wäre. Ein Abriss kam für uns nicht in Frage. Auch Benno Rougk hätte mit seiner Heimatzeitung wohl wenig Sympathie für diese Alternative aufgebracht. Wahrscheinlich wäre wochenlang über Menschen berichtet worden, die sich an den Sitzen der Freilichtbühne fest ketten, um einen Abriss zu verhindern.
In der zweiten Alternative sollte eine Förderung aus dem Programm „Zukunft im Stadtteil“ ZIS angestrebt werden. Mit nur 76.000 Euro aus der Stadtkasse konnte die Anlage im Gesamtvolumen von 316.000 EURO gestaltet werden. Damit erhielt die Stadt eine Grünanlage, die auch für Veranstaltungen genutzt werden konnte. Natürlich gibt es Einschränkungen. Natürlich hatten sie Recht, die damals vorhersagten, dass eine Freilichtbühne kaum genutzt wird. Trotzdem haben wir mit der Hälfte des Geldes aus der Stadtkasse ein Vielfaches an Nutzung für die Zukunft ermöglicht. Jeder kann im Übrigen zwischen 8.00 Uhr und 20.00 Uhr das Gelände der Freilichtbühne unentgeltlich für Veranstaltungen nutzen. Darüber kann sich Benno Rougk lustig machen. Ich nenne es realistische Kommunalpolitik. Übrigens haben eine Mehrheit aus SPD und CDU das Projekt gemeinsam getragen. Nicht ohne Bedenken aber dennoch gemeinsam.
Nur die Linke wollte bis zum Schluss mit dem Geld und vielen weiteren hunderttausend Euro das Modellager am Packhof zur Jugendherberge ausbauen. Das wäre aber wirklich blöd gelaufen, denn in den nächsten Monaten wird das Modellager im Zuge der Beseitigung von Giften und Schadstoffen abgerissen. Das hätte dann auch Benno Rougk den Brüdern und Schwestern im Westen nicht mehr erklären können.
Walter Kriegs
Brandenburg an der Havel