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    Autor: Kathrin Arndt
  | Dienstag, den 26. Juni 2012 um 15:18 Uhr

Leserbrief

Ausstellung: „Moooment – Loriot, der Brandenburger in Brandenburg“

Ausstellung 2012 in Loriots Geburtsstadt Brandenburg an der Havel

tmb Loriot2009Vicco von Bülow (Loriot) Fotos: Die Altstädter e.V.Am 12. November 1923 um 21.50 Uhr wurde Bernhard-Victor Christoph Carl von Bülow als Sohn des Polizeileutnants Johann-Albrecht Wilhelm von Bülow (1899-1972) und dessen erster Ehefrau Charlotte Mathilde Luise geborene von Roeder (1899–1929) im städtischen Krankenhaus in Brandenburg an der Havel geboren. Ein Jahr später wurde sein Bruder geboren.

Die Familie von Bülow wohnte in einer Dienstwohnung der ehemaligen Infanteriekaserne, seit 1921 Polizeikaserne Groß-Berlin an der Magdeburger Straße 51, in der der Vater als Ausbilder arbeitete. Hier verbrachte Loriot seine ersten drei Jahre. Nach der Trennung der Eltern zogen die Kinder zu ihren Großmüttern nach Berlin.

 

 

1982 hatten Gerda und Alfred Arndt in Brandenburg an der Havel die Idee, Vicco von Bülow in seine Geburtsstadt zu holen, da Loriot selbst in zahlreichen Interviews immer wieder seine Geburtsstadt Brandenburg erwähnt hatte. tmb Loriot1926-an-der-Kaserne-in-BRBLoriot 1926 ....Gerda Arndt war zu dieser Zeit Leiterin des Dommuseums und auch außerhalb des kirchlichen Raums bekannt für ihre von allgemeinen politischen Strömungen abweichenden Kunstausstellungen. Sie fanden für ihr Vorhaben, im kirchlichen Raum eine eher weltliche Ausstellung zu veranstalten, Mitstreiter, darunter v. a. der Brandenburger Dompfarrer und Leiter des evangelischen Kunstdienstes Dr. Heinz Hoffmann und der Altbischof Dr. Albrecht Schönherr, und Unterstützung von Manfred Stolpe und dem Eulenspiegel-Verlag, der bereits zwei Loriotbücher in der DDR herausgebracht hatte.

Am 18. Mai 1985, dem internationalen Museumstag, hatte Gerda Arndt es geschafft, an allen staatlichen Hürden vorbei wurde die Ausstellung eröffnet, 1.500 Menschen aus allen Bezirken der DDR strömten an diesem Tage zum Dom nach Brandenburg, westliche Medien waren vor Ort und berichteten über die Sensation, dass Loriot eine Ausstellung in der DDR hätte. Loriot war vollkommen überwältigt und prägte die Worte „Respekt und Liebe“, die er den Menschen hier gegenüber empfinde.

Dieses Ereignis und die herzliche Freundschaft, die ihm die Brandenburger Menschen entgegen brachten, hat Loriot so nachhaltig beeindruckt, dass er von nun an regelmäßig nach Brandenburg an der Havel kam, sich nach der Wende mit seiner Vicco-von-Bülow-Stiftung dauerhaft für soziale und kulturelle Belange engagierte und 1993 die Ehrenbürgerwürde der Stadt erhielt. Allein für die Rettung des Doms brachte Loriot über eine Million DM zusammen. 2009 machte ihm die Brandenburger Bürgerschaft die restaurierte Nordkapelle seiner Taufkirche St. Gotthardt zum symbolischen Geburtstagsgeschenk.

tmb Loriot1991-wieder-an-der-Kaserne... und 1991 vor einem Fenster der heutigen FH BrandenburgAm 22. August 2011 starb Loriot mit 87 Jahren. Am 17. September kamen die Menschen aus seiner Heimatstadt noch einmal in der Gotthardtkirche zusammen, um gemeinsam Abschied zu nehmen. Zusammen mit der Familie von Bülow und Freunden Loriots in Brandenburg an der Havel eröffnen der Verein „Die Altstädter e. V.“ und das Büro ZEITseeing am 11. August 2012 eine Ausstellung zu Vicco v. Bülow, die die tiefe Verbundenheit seiner Geburtsstadt Brandenburg an der Havel mit ihrem großen Sohn und Ehrenbürger lebendig halten will. Um 15.00 Uhr beginnt der Festakt im ältesten Fachwerkhaus der Mark Brandenburg, dem Bürgerhaus Altstadt in der Bäckerstraße 14. Schirmherr der Ausstellung ist der Ministerpräsident des Landes Brandenburg Herr Matthias Platzeck.

Die Ausstellung beginnt 1923 mit der Geburt Loriots und der Geschichte seiner ersten Liebe während seiner Taufe, sie erzählt vom Geschenk des Herrn Flakowski und von den Kasernenmauern, in deren Schatten Loriot seine ersten Jahre verbrachte.

Das zentrale Ereignis, welches Loriot sehr bewegt und beeindruckt hat, war die Eröffnung seiner Ausstellung am 18. Mai 1985 im Dom zu Brandenburg. Mit Respekt und Liebe sei er der Einladung gefolgt und überwältigt von der Herzlichkeit und Freude, mit der er von den Brandenburgern aufgenommen worden sei. „Ich bin stolz, einer von Ihnen, ein Brandenburger zu sein“ sagte er damals.

Es war der Beginn einer lebenslangen Freundschaft und der Auslöser für Loriots Engagement in der Stadt, das 1993 in seine Vicco-von-Bülow-Stiftung mündete.

tmb KarteSponsoren 2012-2Die Ausstellung erzählt von den privaten und politischen Umständen, unter denen Loriots erste Ausstellung in der DDR stattfand. Auch Loriot selbst kommt zu Wort, sodass die Besucher die Stimmung nachfühlen können, die heute auch ein Stück deutsch-deutsche Geschichte darstellt: Loriot hat 1985 ein sehr kleines und privates Stück Wiedervereinigung vorweggenommen, nicht weil er es politisch wollte, sondern weil er dem „spontanen Zauber der Verständigung“ nachgab. Die Stasi kam zu einem deutlich anderen Ergebnis.

tmb KarteSponsoren 2012-1Die Ausstellung „Moooment – Loriot, der Brandenburger in Brandenburg 2012 wurde von denjenigen Brandenburger Freunden Loriots initiiert, die mit ihrem privaten Engagement die Ausstellung 1985 jenseits aller politischen Grenzen und Hindernisse erst möglich gemacht haben. Auch sie sollen damit geehrt werden, verdankt die Stadt doch ihnen die Wiederkehr ihres „nicht verlorenen Sohns“.

Unterstützung und unermüdlich Hilfe fanden wir in Loriots Tochter, Frau Susanne v. Bülow, ohne die wir unsere Ideen nicht hätten verwirklichen können. Ihr und der ganzen Familie Bülow gilt unser tief empfundener Dank.

Die Besucher erleben Loriot privat, auf seinen Spuren wandern sie durch seine Geburtsstadt und entdecken all die Orte, an denen er gewirkt hat, mit einem Flyer auf Loriots Spuren und kleinen Satellitenausstellungen an den authentischen Orten, die konkret auf die jeweiligen Stationen seines Lebens in Brandenburg an der Havel eingehen.

An einigen dieser Außenstellen gibt es die Möglichkeit, eine Erfrischung zu sich zu nehmen, sodass man sich Zeit lassen und auf diesem Wege auch die Stadt selbst erkunden kann. Ein reich bebildeter Begleitband zur Ausstellung fasst die Stationen und Ereignisse seines Lebens in Stadt und Land Brandenburg zusammen – eine schöne Erinnerung an Loriot und seine Heimat.

 

 

 

 

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