Autor: Diana Tautz |
Freitag, den 15. Juni 2012 um 10:24 Uhr Leserbrief5. Gesundheitsforum: Jeder Tote ist einer zu viel!Fünftes regionales Gesundheitsforum in Brandenburg an der Havel diskutiert die Gefährlichkeit der Klinikkeime
Dennoch, genaue Zahlen über Infektionen und Todesfälle in Deutschland gibt es nicht. Im Land Brandenburg waren es im letzten Jahr 19 Tote, die ohne die Infektion mit einem der gefährlichen Keime überlebt hätten, deutschlandweit waren es 677 Patienten. Damit stehe diese Todesursache bei Weitem nicht an der Spitze der Sterbetabelle, aber jeder Tote sei einer zu viel, wenn der Tod vermeidbar wäre. Die Ursachen für die Infektionen sind umstritten. Zum einen werden die drei unterschiedlichen Keimarten von Patienten in die Kliniken eingeschleppt, aber eine Eingangsuntersuchung findet nur unter bestimmten Voraussetzungen statt, z. B. wenn der Patient in der Tierzucht arbeitet oder aus einem Pflegeheim komme. Hier – so waren sich die Experten einig - bedürfe es mehr Prävention. Aber das notwendige Geld steht den Kliniken nicht zur Verfügung. Da helfe auch das neue Infektionsschutzgesetz nicht, das eine bessere Hygiene in den Krankenhäusern um Ziel hat. Die Kassen zahlen jedenfalls nicht, wenn sich ein Patient vorsorglich untersuchen lassen möchte. Die Experten raten auch davon ab, denn das verunsichere die Patienten nur. Zum anderen kann es an mangelnder Krankenhaushygiene liegen. Seit Jahren werden in den Kliniken die Mitarbeiter zu intensiver Desinfektion der Hände vor und nach einer Untersuchung angehalten. Der Verbrauch an entsprechenden Desinfektionsmitteln steige auch an, aber dennoch verbreiten sich die gefährlichen Keime. Oder liegt es daran, dass – im Falle einer Infektion - Antibiotika nicht mehr helfen, weil die Keime resistent gegen Antibiotika sind? Ursache dafür – so die Experten - könnte der vielfache Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht sein. Auch die schnelle Verschreibung von Breitband-Antibiotika durch die niedergelassene Ärzteschaft bei geringem Anlass führe dazu, dass im Krisenfall ein Antibiotikum nicht mehr helfe. Wie ernst das Phänomen zu nehmen ist, zeigt, dass seit Mitte 2010 die Infektionen meldepflichtig sind. Allerdings werden – so sagen Kritiker – den zuständigen Gesundheitsämtern kaum Fälle gemeldet und wenn, dann gibt es keine öffentlich zugänglichen Daten, vielmehr bleiben die Meldungen anonym. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit in regionalen Netzwerken. Hier können größere Datenmengen ausgewertet und Behandlungserfahrungen ausgetauscht werden, um den Gefahren der Keime auf die Spur zu kommen. In Brandenburg gibt es in allen Regionen diese regionalen Netzwerke, nur in Brandenburg an der Havel noch nicht. Das zu ändern, war der abschließende Appell der Experten, der von der Vertreterin des Gesundheitsministeriums, Frau Dr. Seewald, unterstrichen wurde.
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