Autor: Marco Petig
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Samstag, den 04. September 2010 um 23:14 Uhr
Günter Lamprecht gab Einblick in seiner Jugend unter dem Hakenkreuz
„Und wehmütig bin ich immer noch: Eine Jugend in Berlin“ - eine Kindheit im Dritten Reich
Der große deutsche Schauspieler Günter Lamprecht - der unvergessene Darsteller des Franz Biberkopf in Rainer Werner Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" - ist selbst ein Berliner, wie er im Buche steht: ein Wilmersdorfer Straßenkind der 30er Jahre, der Sohn einer Portiersfrau und eines Taxifahrers. In den ersten zwanzig Jahren seines Lebens hat er das Drama dieser Stadt - das Elend und die Gewalt der Berliner Hinterhöfe, den Naziwahnsinn, die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs, die Schwarzmarktzeit nach 1945 und die Wiederauferstehung Berlins - Tag für Tag am eigenen Leib erleben müssen. Nun, fast sechzig Jahre danach, blickt er auf diese frühe und dramatische Zeit seines Lebens zurück und entpuppt sich dabei als ein erstklassiger Erzähler voller Wehmut und echtem Berliner Humor: der Schrottplatz um die Ecke, der jüdische Kinderarzt, die ostpreußischen Großeltern, die resolute Mutter, die Boxkämpfe im Sportpalast, die Gesetzlosigkeit in den Trümmerlandschaften der zerstörten Hauptstadt (…).
Eine abenteuerliche Entwicklungsgeschichte rollte nur so vor dem Zuhörer bei der zweistündigen Lesung des großen Mannes mit einer zu einem Teil auch zittrigen Stimme in der ehemaligen Ritterakademie (heutige Domaula vom Dom zu Brandenburg) am vergangenen Freitagabend ab - die Geschichte eines kleinen Berliner Jungen, die erlebten Schrecken und die Not seiner Herkunft wieder gaben.
Die Verbundenheit mit der Havelstadt ließ Lamprecht nie außen vor: Als kleiner Junge war er bei seinem Opa in Börnicke zu Besuch. „Eine herrliche Zeit! Da fuhr noch der Dampfzug nach Kremmen. In den Nachkriegsjahren haben wir uns zentnerweise mit Gemüse und Kartoffeln aus der Mark versorgt, um zu überleben.“ Wie Lamprecht in einem Interview mit der MärkischenAllgemeineZeitung betonte. Nach der Wende (1990) bezog Lamprecht eine Wohnung in Potsdam und unternahm von dort viele Fahrten in die „wunderbare Landschaft“ und kam auch kurz nach Brandenburg.

Auf der Fahrt zur Lesung nach Brandenburg an der Havel habe Lamprecht „aufmerksam sich die Landschaft, die einzelne Ortschaften und vor allem die Havelstadt in Augenschein genommen“, wie die Mitarbeiterin des SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier, Brigitte Sorg, gegenüber Havelstadt.de verwies. Frank-Walter Steinmeier (SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende und Vorsitzenden des Kulturvereins Brandenburg an der Havel e. V.) hatte Günter Lamprecht gebeten aus seinem Leben zuberichten und sein neues Buch den Brandenburger vorzustellen.
Der Kulturverein Brandenburg hat sich im Frühjahr gegründet. Er sieht sich überparteilich der Förderung von Kunst, Kultur und des demokratischen Disputs in der Stadt verpflichtet. Der Verein will mit Veranstaltungen und Gesprächen helfen, Gräben zu schließen, die in vielen Jahren zuvor in der Stadt entstanden sind. Die Idee, die hinter dem Projekt steht: Nach einem gemeinsamen Kulturerlebnis der Spitzenklasse soll sich auch die Gelegenheit zum gemeinsamen, guten Gespräch bei einem Schoppen Wein bieten. „Im Gespräch lassen sich in einer kleinen Stadt wie Brandenburg Probleme viel schneller lösen, als wenn man sie zuvor im Streit auf die politische Bühne hebt. Der Verein ist offen für jedermann und steht in keiner Konkurrenz zu bestehenden Angeboten“, wie Vereinsgründer Friedrich Perker, verwies.
Mehr zur Lesung können Sie in der Ausgabe des Stadtkuriers der MärkischenAllgemeineZeitung (MAZ) von Montag nachlesen.