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    Autor: Marco Petig
  | Mittwoch, den 02. Juni 2010 um 12:05 Uhr

Citynews

Grundsteinlegung: Baustart für Brandenburger "Paulibrücke"

In Brandenburg an der Havel wurde am Mittwoch der Grundstein für eine neue und „wertvolle“ Brücke über den Stadtkanal gelegt

_MG_3502Die künftige "Paulibrücke" kostet 1,4 Millionen Euro und soll im November fertig sein, dies verwies Brandenburgs Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann (CDU) in ihrer Rede. Sie führe vom Bahnhofsgelände direkt zum St.-Pauli-Kloster in der Innenstadt. Mit der neuen Brücke sollen laut Tiemann möglichst viele Besucher und Einwohner der Stadt animiert werden, zu Fuß oder mit dem Rad in die City zu kommen.

„Ob Sanierung der einstigen Spielwarenfabrik und des Altstädtischen~Rathauses zur Konzentration der Stadtverwaltung im Zentrum, Umbau des Pauliklosters zum Landesmuseum oder Aufwertung prägender Großbauten im historischen Stadtkern: Seit 1991 wurde, dank Städtebauförderung von Land und Bund viel für die Attraktivität und Funktionalität der Brandenburger Mitte auf den Weg gebracht. 138 Millionen Euro flossen aus dem Programm bis dato in die drittgrößte Stadt des Landes, fast 40 Prozent (53 Millionen Euro) davon entfielen auf Projekte des städtebaulichen Denkmalschutzes“ fügte Staatssekretär Rainer Bretschneider zur Grundsteinlegung hinzu..

 

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Hardy Müller von der Branenburger Schlosserrei Schröder, läutete  die Urne für immer zu, bevor sie dann 15 Meter tief versenkt wurde

Bretschneider verfolgt die Umsetzung der langfristig angelegten Stadtentwicklungsstrategie seit Jahren mit Spannung und kam auch gerne persönlich zum Bauauftakt an den Stadtkanal: "In der Stadt Brandenburg zeigt sich beispielhaft, wie verantwortungsbewusste Denkmalförderung nicht nur auf den Erhalt geschichtlich bedeutender Substanz, sondern auch auf die Entwicklung wirtschaftlicher und kultureller Potenziale abzielen kann. In diesem Zusammenhang bin ich glücklich über den bevorstehenden Brückenschlag. Die Paulibrücke schafft nicht nur eine attraktive Verbindung zwischen Bahnhof und Kloster, sondern passt sich architektonisch auch toll in das Stadtbild ein."

Das 40-Meter lange und bis zu vier Meter breite Stahlrahmen-Bauwerk ist das Ergebnis eines begrenzt offenen Gestaltungswettbewerbes, den das Berliner Architekturbüro Hascher und Jehle in Zusammenarbeit mit den Ingenieuren Leonhardt, Andrä und Partner 2008 für sich entscheiden konnte. Der Laut Architekten-Entwurf "Brückenschlag auf mehreren Ebenen" ist mit 1,5 Millionen Euro Baukosten veranschlagt, wobei Bund und Land aus Mitteln des städtebaulichen Denkmalschutzes 1,2 Millionen Euro besteuern. Nach Auskunft der Brandenburger Stadtverwaltung als Baulastträgerin soll die neue Querung zwischen Sankt-Annen-Promenade und Jungfernstieg noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.

In der Brandenburger Bevölkerung wird das neue Bauwerk, das eigentlich im Rahmen der bevorstehenden Bundesgartenschau Buga 2015 errichtet wird, mit Unverständlichkeit und als „unnötig“ bewertet. Es werden auch Laute laut, die sagen, dass man das Geld „lieber für andere sinnvolle Projekte, wie zum Beispiel in der Förderung der Jugend, den Ausbau der Brandenburger Schulen oder Kitas" verwenden soll, als „unnütz“ zuverbauen. Zwar haben die Stadtverordneten mit „großer Mehrheit“ für den Bau gestimmt und somit die städtischen Gelder freigegeben, trotzdem wird das Bauprojekt als „Verschwendung“ angesehen und bewertet.

_MG_3471
Blick über den Stadtkanal, wo ab November dieses Jahres die neue Brücke für Fußgänger und Radfahrer
geöffnet sein soll

Entwurf

Entsprechend der Aufgabenstellung ist das Lichtraumprofil des Stadtkanals von 3,50 m über BWo auf einer Länge von mindestens 12,00 m freizuhalten. Die Breite zwischen den Uferlinien des Stadtkanals beträgt ca. 25 m. Die Haupt-Wegeführung ist mit einer lichten Breite von mindestens 3,00 m auszubilden. Die Überführung ist mobilitätsbehindertengerecht auszubilden, d.h. mit max. 6 % Längsgefälle und entsprechenden Zwischenpodesten. Um eine ausreichende Bauwerkslänge zum mobilitätsbehindertengerechten Überwinden der Höhendifferenz zu erhalten, wurde die Wegeführung an beiden Rampenenden abgeknickt. Für die Bauwerksgestaltung gab es zwei grundlegende Entwurfsgedanken: die Wegeführung und die vorhandenen Mauern in der Umgebung.

Die Haupt-Wegeführung verbindet den Hauptbahnhof direkt mit dem St.-Pauli-Kloster und im weiteren Verlauf mit der Brandenburger Innenstadt. Die orthogonale Querung des Stadtkanals stellt die Sichtbeziehung zum St.-Pauli-Kloster her, die Brückennutzer werden direkt auf das St.-Pauli-Kloster zugeführt. Die zweite grundlegende Entwurfsidee nimmt das Thema der in der Umgebung vorhandenen Mauern auf. Die Scheibenartige Elemente begleiten den Wegraum, lenken den Blick von Radfahrern und Fußgängern und dienen sowohl als tragende Bauteile der Brückenkonstruktion sowie als Brüstungselemente der Brücke.

Bauwerksausbildung

Die Konstruktion wurde entsprechend den Entwurfsideen entwickelt. Die Tragstruktur folgt der Wegeführung und wird mit scheibenartigen Elementen ausgebildet. Als System wurde ein eingespannter Rahmen mit schrägen Stielen gewählt. Durch die Anordnung von Treppen an den Schrägstielen werden die parallel zum Stadtkanal vorhandenen Uferwege mit angebunden. Die Treppen dienen zur kurzen Verbindung der Uferpromenaden. Zur Umsetzung des Systems kommt als sinnvoller Baustoff nur Stahl in Frage. Die Haupttragelemente der zwei Längsträger haben eine veränderliche Bauhöhe und werden in Brückenlängsrichtung versetzt zueinander angeordnet. Die max. Bauhöhe der Längsträger beträgt 1,25 m. Die Längsträger gehen in die Schrägstiele über. Der Überbau wird somit je Uferseite einseitig mit einem scheibenartigen Element ausgebildet und einseitig durch einen Schrägstiel gestützt. Die Überbauscheiben werden biegesteif in die Auflagerpunkte eingespannt.

Im Bereich der großen Biegebeanspruchungen wird eine große Trägerhöhe ausgebildet. Das Hauptsystem entspricht einem Schrägstielrahmen, die Stützweiten betragen 2,60 / 30,70 / 7,20 m, die Gesamtlänge ergibt sich zu 40,50 m. Die Unterbauten und die angrenzenden Rampen werden in Stahlbeton ausgebildet. Um aufwendige Baugruben und Wasserhaltungsmaßnahmen zu vermeiden, sind die Unterkanten der Widerlager auf OK des Wasserspiegels angeordnet. Die Gründung der Hauptbrücke erfolgt in den anstehenden Sandschichten tief mittels Ortbetonbohrpfählen d=60 cm.

Geländer, Absturzsicherung

Die erforderliche Höhe der Absturzsicherung beträgt auf dem Überbau und der Rampe Kirchhofstraße 1,20 m. Den seitlichen Überbauabschluss bilden die Längsträger, welche bereichsweise die erforderliche Höhe haben. Bei geringer Trägerhöhe wird ein Aufsatzgeländer angeordnet, die Geländerhöhe ist dementsprechend variabel. Die erforderliche Geländerhöhe auf den Treppen beträgt 1,00 m. Um eine möglichst hohe Transparenz zu erhalten wird ein Glasgeländer angeordnet. Die Ausführung der Glasscheiben erfolgt gemäß den „Technischen Regeln für die Verwendung von absturzsichernden Verglasungen (TRAV)“, Kategorie B, siehe [1]. Die Haltung der Glaselemente erfolgt über eine Klemmleiste gemäß TRAV Anhang B. Der Handlauf wird mit einem Kantprofil ausgebildet. Vor den Treppenabgängen werden farbliche Bodenindikatoren angebracht, um zu vermeiden, dass Radfahrer versehentlich auf die 0,90 m breite Treppe auffahren. Die Beleuchtung der Gehwegfläche erfolgt linear mittels im Geländerhandlauf integrierten Leuchtelementen. In dem aufgesetzten Handlauf werden in einer eingefrästen Nut LED-Leuchten angeordnet.

Belag

Der Überbau erhält einen Reaktionsharz gebundenen Dünnbelag entsprechend ZTV-ING, Teil 7, Abschnitt 5. Um einen einheitlichen Belag auf dem Überbau und den Rampen zu erhalten wird auf die Betonplatten der Rampen ein Oberflächenschutzsystem gemäß ZTV-ING, Teil 3, Abschnitt 4 aufgebracht.

Entwässerung

Die Gehbahnentwässerung erfolgt über Quergefälle zur Mitte des Überbaus. Von der mittig angeordneten Sammelfläche gelangt das Wasser über das Überbaulängsgefälle zu einer Entwässerungsrinne im Deckblech. Um Wasser auf der Treppe zu vermeiden, wird die Entwässerungsrinne vor der Treppe Ost angeordnet. Von der Rinne gelangt das Wasser über eine Entwässerungsleitung zum Auflagerpunkt Jungfernsteig. Im Bereich der Querträger sind für die Entwässerungsleitung entsprechende Auswechslungen vorgesehen.

Material, Farbgebung

Zur Reduzierung des Eigengewichtes und zur Aufnahme der Torsion der asymmetrischen Querschnitte wird der gesamte Überbau inkl. der Schrägstiele aus Stahl S355 J2 +N gefertigt. Als Farbe der letzten Deckbeschichtung kommt mit DB 702 ein mittleres Grau zur Anwendung.

Montage

Die Montage der Stahlkonstruktion auf dem beengten Baufeld ist wie folgt vorgesehen:

  • Zusammenbau der Stahlkonstruktion auf dem Vormontageplatz
  • Einschwimmen des Rahmensystems mit den Schrägstielen
  • Anschweißen der Schrägstiele an den Einbauteile
  • Einheben der Randbereich mittels Autokran
  • Anschweißen der Randbereiche an das Rahmensystem und an die Einbauteile

 

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