Autor: Marco Petig
|
Dienstag, den 17. Januar 2012 um 16:48 Uhr
Tübinger Premierenerfolg „Sibirien" ab März auf der Studiobühne
Neue gemeinsame Produktion von Brandenburger Theater und dem Zimmertheater Tübingen
Foto: BTGenau genommen hatten gleich zwei Koproduktionen des Brandenburger Theaters am Wochenende Premiere. Auf "Kiss me. Kate" im eigenen Haus folgte am Samstag „Sibirien" des österreichischen Autors Felix Mitterer in Tübingen. Die Regie dieser Gemeinschaftsproduktion hat Arnolds Sohn Rolf übernommen, der selbst auch Darsteller am Zimmertheater Tübingen ist. „Sibirien", ein aktuelles Theaterstück über Altern, Pflegebedürftigkeit und Pflegenotstand wird ab Anfang März auch auf der Studiobühne in der Havelstadt zu sehen sein, wie das Brandenburger Theater mitteilen lies.
"Die Premiere des 'tragikomischen Volksstückes´ wurde mit großem Applaus und ausgiebigen Rezensionen in der schwäbischen Presse gefeiert", referiert Theatersprecher Andreas Kiepert. „Und dieser hier geschilderte Fall wiederum birgt genügend an zeitlosem Schicksal eines Menschen, genügend an zeitlos gutem Theaterstoff, noch dazu in einer schönen Inszenierung mit einem richtig guten Schauspieler", schreibt Peter Ertle im "Schwäbischen Tageblatt". „Sibirien" ist ein Passionsspiel, aber voller faszinierender (Stimmungs-) Brechungen und nicht ohne Komik (ab 2. März im Brandenburger Theater).
Mit Sibirien gelingt Felix Mitterer eine erschütternde Anklage gegen die Inhumanität des Fürsorgesystems, und ein sensibles Plädoyer für ein menschenwürdiges Altern. Wobei ein alter Mann nach einer Hüftoperation von seiner Familie in ein Pflegeheim eingewiesen wird. Für den Mann die zweite Deportation nach Sibirien, denn die Bilder aus der erlebten Kriegsvergangenheit werden in der schrecklichen Realität des Heims wieder lebendig. Er wehrt sich gegen die Gefühlskälte der Versorgungsanstalt, aber seine Widerspenstigkeit wird dem Alten vom Pflegepersonal nur als Altersstarrsinn ausgelegt. Der unbequeme Patient wird systematisch zum Pflegefall degradiert. Er kämpft mit allen Mitteln um seinen Platz in der Welt, schreibt gar einen Brief an den Bundespräsidenten, aber fern von zuhause und getrennt von seinem geliebten Hund schwinden die Kräfte Zusehens. In seiner Einsamkeit und zunehmenden geistigen Verwirrung verhallen seine Bitten um Verständnis und Hilfe ungehört, erzählt die Geschichte um das Stück Sibirien".
Felix Mitterer, *1948 ist österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Drehbuchautor. Vor allem mit der von ihm geschriebenen ORF-Serie „Die Piefke-Saga" wurde er in den 80er Jahren einem breiten Publikum bekannt. Mitterer schrieb viele Drehbücher für den Tatort, Kinderbücher und zahlreiche Bühnenwerke.
SIBIRIEN entsteht am Zimmertheater als Koproduktion mit dem Brandenburger Theater – und als Familienproduktion. Es inszeniert Robert Arnold, sein Vater Harald Arnold, Schauspieler am Brandenburger Theater, spielt den Alten.